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Bild: Zeitungen (Michael Gaida via pixabay.com)

Gemeinsame Sache: Fundamentalismus und Journalismus ähneln sich

Wie komme ich zu diesem Beitrag? Was ist mein Problem?

Ich hatte mich in einem Beitrag im Volo-Blog
des ifp
mit der Frage auseinandergesetzt, was für eine Art von Journalist
ich sein möchte. Ich befinde mich z.Z. in einer journalistischen Ausbildung und
frage mich nach wie vor, was es mit dem Journalismus auf sich hat. In diesem
Beitrag nun, stelle ich mich im Prinzip derselben Frage wie in dem Beitrag auf
dem Volo-Blog. Allerdings suche ich nicht auf praktischer Ebene, sondern auf
philosophischer Ebene nach Antworten.



Mir fiel erst nach dem Schreiben des Beitrags zu meiner Rolle im Journalismus auf, dass der Journalismus ebenfalls zu den sogenannten Ismen gehört, also in einer Reihe mit Begriffen wie Realismus, Kapitalismus und Idealismus zu nennen ist. Was hat es damit auf sich? Wie unterscheidet sich bspw. die Kritik am Fundamentalismus zu der Kritik am Journalismus bzw. was sind die Gemeinsamkeiten?

Was sind Ismen?

Der Ismus ist sprachtechnisch gesehen ein Suffix, der ein
Wort mit dem Anhang „-ismus“ zu einer abstrakten Sache einer Lehre,
Geisteshaltung oder Ideologie macht. Die griechische Endung -ismos bezieht sich
„auf eine bestimmte Art [von] handeln“ und kennzeichnet darin eine Tendenz.
„Bei vielen Begriffen mit der Nachsilbe –ismus
handelt es sich um Begriffe für gesellschaftliche Verhältnisse, Meinungen,
Lehren, Schulen und Ideen […].“ Besonders dabei ist, dass die zugrunde
liegenden Theorien oder Hypothesen keine allgemeine Anerkennung in der
Gesellschaft genießen müssen. Von den tendenziösen Ismen lassen sich die
neutralen Ismen abgrenzen. Sie erkennt man daran, dass sich zu ihnen keine
Anhänger finden lassen, wie es bspw. beim Mechanismus keine Mechanisten gibt.
Für mich interessant sind hier die tendenziösen Ismen, wie eben der Journalismus mit den Journalisten als ihre
Anhänger.[1]

Wir haben gesehen, dass die Ismen von bestimmten Dingen
abhängen. Das ist zu allererst einmal die Sprache. Dann braucht es eine Idee,
Theorie oder Hypothese, die nicht gesellschaftlich anerkannt sein muss.
Drittens ist die Möglichkeit der Anhängerschaft entscheidend, da ich ja mich
auf die tendenziösen Ismen beziehen möchte.

Was haben Ismen gemeinsam?

An dieser Stelle möchte ich beispielhaft einige Ismen
genauer anschauen, um sie zu vergleichen und um sie neben den Journalismus zu
stellen: Fundamentalismus, Empirismus und Egoismus.

Der Fundamentalismus hebt die Einzigartigkeit hervor. In ihm
gibt es eine Wahrheit, die keinen Plural kennt. Andere Wahrheiten gibt es
nicht. Der Empirismus bezieht sich auch auf Wahrheit. Diese Wahrheit lässt sich
allerdings nicht durch ihre Einzigartigkeit auszeichnen, sondern durch ihre
Wiederholbarkeit bzw. Reproduktion durch jemand anderes. Beim Egoismus zählen
nur die Wahrheiten, die einem selbst etwas nützen bzw. einem selbst Vorteile
bringen. Bei Fundamentalisten, Empiristen und Egoisten geht es also um
unterschiedliche Zugänge zur Wahrheit und die Abgrenzung zu anderen Menschen.
Das Bekenntnis eines Fundamentalisten könnte lauten: „Nur die Wahrheit meiner
eigenen Gruppe ist gültig.“ Beim Empiristen klingt das Bekenntnis vielleicht
so: „Der Diskurs und die wissenschaftlichen Beweise helfen mir, mich meiner
Gruppe anzuschließen.“ Der Egoist könnte hingegen sagen: „Wenn die Wahrheit mir
etwas nützt, dann bin ich in der Gruppe dabei.“ Dieser Satz klingt womöglich
auch mehr nach Opportunismus.

Was haben diese drei Ismen nun gemeinsam? Die ersten
Gedanken könnten einen auf die Wahrheit und auf die menschlichen Beziehungen bringen.
Aber dies wird ja schwierig, da diese Drei unterschiedliche Zugänge zur
Wahrheit haben. Der Ismus macht Sprache zur Handlung. Allerdings anders als es
Liturgie macht. Liturgie ist Sprache und
Handlung im Horizont einer Gleichberechtigung von Mythos und Logos. Der Ismus
macht Sprache zur Handlung, wenn der Logos vorrangig vor dem Mythos ist, also
insbesondere in der Zeit nach der Aufklärung.

Was hat Journalismus mit anderen Ismen gemeinsam?

Der Journalismus muss sich mit Phänomenen wie den „Fake
News“ und „Bad News are Good News“ auseinandersetzen. Für den Journalisten sind
seine Produkte die Wahrheiten, die für eine größere Gruppe relevant sind. Als
Hilfsmittel stehen ihm zum einen der Nachrichtenwert und zum anderen die
Belegpflicht zur Schaffung von Glaubwürdigkeit zur Seite. Das Problem bei
diesen Mitteln ist die meist negative Berichterstattung und Abhängigkeit von
(zahlenden) Konsumenten. Für mich als Journalist ist wichtig, dass ich mich
immer wieder daran erinnere, dass ich auch ein Anhänger eines Ismus bin, so,
wie die Anhänger der anderen Ismen auch. Meine Sprache als Journalist ist
Handlung und nicht bloße Wahrheit, die ich für mich vereinnahmen darf.

Ismen bedeuten insgesamt die Sprache als Handlung in
Gesellschaft. Dabei geht es nicht um das Wohl oder die konkrete Rolle der
Gesellschaft. Die Ismen sind lediglich abhängig von dem Begriff der
Gesellschaft, unabhängig davon, ob sie sie ablehnen, definieren oder anerkennen.
Für mich als Journalist ist wichtig, dass ich die Anhänger der tendenziösen
Ismen ernst nehme und auch mir selbst immer wieder bewusst mache, dass ich
Anhänger eines tendenziösen Ismus bin. Die Frage sollte immer auch lauten, wie
ich aus der sprachlichen Handlung eines Anhängers etwas für die Gesellschaft
machen kann und dabei mein Vorgehen als Anhänger des Journalismus erkläre.


[1]Die
Informationen und Zitate in diesem Absatz habe ich von der Seite „-ismus“. In:
Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 1. Februar 2019, 10:52
UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=-ismus&oldid=185280215
(Abgerufen: 13. März 2019, 18:56 UTC)



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