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Porzellanladen
Image by Michelle Maria from Pixabay (September 2015)

Ein Elefant im Porzellanladen

Eine Ladentheke. Davor steht der Elefant und wartet. Seinen Rüssel hat er auf die Tischplatte vor sich abgelegt. Er wackelt mit den Ohren, um sich in dem engen Geschäft einen Luftzug zuzuführen. Eine Lampe hängt von der Decke und berührt fast seinen Rücken, der hell erstrahlt. Rechts und links vom Elefanten ist es dunkel. Dann tritt ein Verkäufer hinter der Theke auf. Sein breites Grinsen ist aufgesetzt.

Sagt der Verkäufer: „Hallo, schön, dass Sie da sind! Wir haben wunderschönes Porzellan, das wir verkaufen, um den Menschen eine Freude zu machen.“

Der Elefant ist überrascht und antwortet: „Aber das Porzellan liegt doch in Trümmern? Wollen Sie das ernsthaft noch verkaufen?“

Der Verkäufer grinst weiter: „Das Porzellan ist wunderschön und unsere vielen Kunden geben uns recht!“

„Ja, das mag sein. Aber das Porzellan ist kaputt“, antwortet der Elefant.

Von hinten aus dem Laden kommt ein weiterer Mann dazu. Er sieht offiziell aus, trägt Anzug: „Guten Tag, ich bin der Inhaber, gibt es hier ein Problem?“

Der Verkäufer tritt zur Seite und macht dem Inhaber des Porzellanladens Platz. Der Elefant wendet sich dem Inhaber zu: „Ja, ich sehe, das ganze Porzellan in ihrem Laden ist kaputt!“

Jetzt beginnt auch der Inhaber ein künstliches Gesicht zu machen: „Erst einmal vielen Dank für Ihre ehrliche Rückmeldung! Ich schätze Ihre Offenheit und das Vertrauen. Gibt es sonst noch etwas, das ich für Sie tuen kann?“

„Ja, eigentlich bin ich ja hier, um Porzellan zu kaufen. Aber jetzt bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich bei Ihnen richtig bin. Dürfen Sie überhaupt kaputtes Porzellan verkaufen?“

Der Inhaber lächelt deutlich weniger: „Sie müssen verstehen, unsere Verkäufer hier haben sehr viel zu tun. Wenn Sie jetzt noch in unserem Laden rumtrampeln, dann dürfen Sie sich nicht wundern, dass Sie hier nur kaputtes Porzellan finden.“

Der Elefant ist verwirrt: „Ich verstehe nicht recht, was Sie damit meinen? Kaputtes Porzellan verkauft man doch nicht?“

„Wollen Sie mir drohen?“, sagt der Inhaber mit schwacher, aber bestimmter Stimme. Sein Gesicht hat jeglichen Ausdruck verloren.

Der Elefant ist ungläubig verwirrt: „Äh, ich glaube, Sie haben mich nicht richtig verstanden?!? So war das nicht gemeint …“.

„Na, dann … „, gibt der Inhaber mit nuschelnder Stimme und wackelndem Kopf als Antwort, bevor er sich langsam umdreht und wieder nach hinten in den Laden verschwindet.

Der Elefant bleibt sprachlos zurück. Hinter ihm ist der Verkäufer mittlerweile zwischen den Regalen verschwunden und staubt die herumliegenden Scherben ab. Von außen scheint das Sonnenlicht in das Geschäft. Der aufgewirbelte Staub trübt die Sicht.

Der Elefant dreht sich langsam um und geht in Richtung Ausgang. Als er an dem Verkäufer vorbeiläuft, unterbricht dieser seine sinnlose Arbeit und guckt den Elefanten mit gestellter böser Mine an: „Ich erwarte, dass Sie hier ein bisschen vorsichtiger rumlaufen! Sie machen das ganze Porzellan kaputt!“

Ohne eine Antwort des Elefanten abzuwarten, dreht sich der Verkäufer um und wendet sich wieder seinen Scherben zu. Der Elefant verlässt lautlos das Geschäft. Der Verkäufer und der Inhaber bleiben mit ihren Scherben zurück.



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