Dienst nach Vorschrift

Über fehlenden Glauben an Motivation

Geld allein schafft keine Motivation und ohne Motivation fehlt der Sinn der Arbeit. Aus diesem Grund lohnt die Suche nach intrinsischer Motivation.

Von zehn Beschäftigten machen in Deutschland etwa sieben Dienst nach Vorschrift, wie die Untersuchung der Studie „Gallup Engagement Index 2019“ ergeben hat. Das sind mehr als 25 Millionen Arbeitnehmer (69 Prozent). Fast sechs Millionen (16 Prozent) haben sogar schon innerlich in ihrem Unternehmen gekündigt. Bis zu 122 Milliarden Euro kostet das die Volkswirtschaft.[1]

Als Ursache für dieses Stimmungsbild könnte Demotivation genannt werden. Wenn die 122 Milliarden Euro auf die sechs Millionen Arbeitnehmer verteilt würden, dann könnte jeder mit innerer Kündigung über 20.300 Euro zusätzlich bekommen. Mehr Geld sollte doch die eigene Motivation steigern.

Mehr als nur Geld

Für die Philosophin Lisa Herzog steht allerdings fest: „Es ist eine recht problematische Annahme, zu glauben, Menschen arbeiteten nur für finanziellen Lohn.“[2] Der Wunsch nach Tätigkeit ist für sie in erster Linie eine menschliche Eigenschaft und nicht nur zur Befriedigung des eigenen Bedürfnisses nach Anerkennung da. In jedem Fall lässt sich nach dem Motiv einer Tat fragen.

Im Jahr 1918 wurde das erste Mal zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation unterschieden.[3] Mit dieser Unterscheidung war eine genauere Ergründung der Motivation beabsichtigt. Einfache Unterschiede können zum Beispiel die Tätigkeit für Geld oder die Freude an einer Tätigkeit selbst sein. Das entspräche dann den Tätigkeitsfeldern Arbeit und Freizeit. In beiden Fällen gilt aber weiterhin die Anwesenheit eines Anreizes.

Motivation von innen

In der Literatur gibt es unterschiedliche Ansätze bei der Unterscheidung von extrinsischer und intrinsischer Motivation. Bei extrinsischer Motivation liegt der Anreiz beispielsweise außerhalb der Tätigkeit, wie eine Arbeit zu verrichten für die man Geld erhält. Die intrinsische Motivation ist demgegenüber an der Tätigkeit selbst ausgerichtet, nach dem Motto: „Der Weg ist das Ziel“. Eine weitere Unterscheidung beschreibt Qualität als Merkmal von intrinsischer und Quantität als Merkmal von extrinsischer Motivation.[4]

Die intrinsische Motivation lässt sich dann wiederum anhand von Interessen unterscheiden. Das Interesse an dem Gegenstand und das Interesse an der Tätigkeit.[5] Bei Interesse an einem Gegenstand wird ein Buch über diesen Gegenstand gelesen. Beim Lesen selbst geht es um die Tätigkeit des Lesens, egal worüber das Buch geschrieben ist.

Zweifel an intrinsischer Motivation

Die Unterscheidung von extrinsisch und intrinsisch ist leider nicht ganz schlüssig. Bei positiver Formulierung kann etwas intrinsisch sein, was bei negativer Formulierung extrinsisch scheint. Das Ziel einer Handlung kann schließlich auch nicht das Erreichen eines positiven Ziels, sondern die Verhinderung eines negativen Zustands sein. Die Psychologen Falko Rheinberg und Stefan Engeser erkennen vom wissenschaftlichen Standpunkt her keine klaren Definitionen der Begriffe „intrinsisch“ und „extrinsisch“.[6]

Sie bemängeln die vielen Definitionsversuche intrinsischer Motivation, die sich nicht zu einem einheitlichen Erkenntnisgewinn zusammenlegen lassen. Der intrinsischen Motivation werde vermutlich etwas sehr Positives angehaftet. Jeder versuche dann selbst mit einer eigenen Darlegung das Positive hervorzuheben.

Zur Beschreibung der Motivation lenken sie daher den Blick auf einen anderen Ansatz. Beim sogenannten „Kognitiven Motivationsmodell“ wird zwischen tätigkeits- und zweckorientierter Motivation unterschieden.[7]

Sinn durch Motivation

Mit dem Ausscheiden von extrinsischer und intrinsischer Motivation aus dem wissenschaftlichen Diskurs bleibt den Begriffen nur eine literarische Auswertung. Der Aspekt des Positiven, der viele Autoren zu den Definitionsversuchen der intrinsischen Motivation bewegt haben könnte, lässt doch letztendlich den Geist intrinsischer Motivation spüren.

Die Suche nach den inneren Beweggründen für das eigene menschliche Handeln beweisen eine positive Ausrichtung ihres Daseins, das Gespür für den Geist und einen Sinn im Leben. Oder mit den Worten der Philosophin Lisa Herzog: „Die meisten Leute wollen ja mit ihrer Arbeit auch einen sinnvollen Beitrag zur Gesellschaft leisten.“[8]


[1] Vgl. Tödtmann, Gallup-Studie 2019.

[2] Benrath/Herzog, „Die Menschen arbeiten nicht nur für Geld“.

[3] Vgl. Rheinberg/Engeser, Intrinsische Motivation und Flow-Erleben, 425.

[4] Vgl. Rheinberg/Engeser, Intrinsische Motivation und Flow-Erleben, 431.

[5] Vgl. Rheinberg/Engeser, Intrinsische Motivation und Flow-Erleben, 426.

[6] Vgl. Rheinberg/Engeser, Intrinsische Motivation und Flow-Erleben, 425.

[7] Vgl. Rheinberg/Engeser, Intrinsische Motivation und Flow-Erleben, 432.

[8] Benrath/Herzog, „Die Menschen arbeiten nicht nur für Geld“.


Literatur

Benrath, Bastian/Herzog, Lisa, „Die Menschen arbeiten nicht nur für Geld“, in: faz.net (11.07.2019), URL: https://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/beruf/junge-philosophin-lisa-herzog-ueber-geld-und-digitalisierung-16280639.html.

Rheinberg, Falko/Engeser, Stefan, Intrinsische Motivation und Flow-Erleben, in: Heckhausen, Jutta/Heckhausen, Heinz (Hg.), Motivation und Handeln, Berlin, Heidelberg 2018, 423-450.

Tödtmann, Claudia, Gallup-Studie 2019: Rund sechs Millionen Beschäftigte glauben nicht an ihr Unternehmen – mit 122 Milliarden Euro Folgeschäden, schuld sind die Führungskräfte selbst (Management-Blog der Wirtschafts-Woche, 12.09.2019), URL: https://blog.wiwo.de/management/2019/09/12/gallup-studie-2019-rund-sechs-millionen-beschaeftigte-glauben-nicht-an-ihr-unternehmen-mit-122-milliarden-euro-folgeschaeden-schuld-sind-die-fuehrungskraefte-selbst/

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