Das „Neue“ der Medien

Neue Medien gibt es dem Begriff nach eigentlich schon immer. Bspw. galt auch das Radio als ein neues Medium. Wir kennen das Phänomen des Neuen auch aus vielen anderen Bereichen des Lebens. Technische und gesellschaftliche Entwicklungen haben immer wieder Neues hervorgebracht. „Das ist mir neu!“ Das Neue kann auch als das Unbekannte übersetzt werden. Wenn wir in uns fremde Lebensbereiche hineinblicken, entdecken wir ebenfalls Neues, da es uns unbekannt war, was aber anderen Menschen alltäglich ist. Es braucht immer eine gewisse Zeit, bis sich etwas Neues zu etwas Selbstverständlichen entwickelt.

Im Bereich von Medien kam auch immer wieder etwas Neues hinzu und veränderte die Medienlandschaft. Für Medien bedeutet dies, dass eine (1) Zunahme der tatsächlichen und theoretischen Reichweite Eigenschaften des Neuen sind. Mit dem Radio ließen sich bspw. mehr Menschen in einer größeren Umgebung erreichen und mit der Tonübertragung größere Popularität erzeugen. Ein wichtiger Punkt von neuen Medien ist auch die (2) Hinzunahme neuer Eigenschaften von Kommunikation. Fotografie und Kino konnten Bilder und bewegte Bilder zeigen. Auch in früheren Medien, insbesondere bei den kommerziellen Anbietern, war die Geschwindigkeit ein wichtiges Thema gewesen. Mit dem Fernsehen war es möglich geworden, bewegte Bilder live zu übertragen. Die (3) Verringerung der Übertragungszeit bzw. die Zunahme der Übertragungsgeschwindigkeit ist somit auch eine wichtige neue Eigenschaft.

Bei den Neuen Medien von heute spüren wir diesen letzten Punkt besonders. Diskutiert wird, wie ländliche Gegenden mit schnellerem Internet erschlossen werden können. Firmen suchen die schnellen Schnittstellen des Internets in den Großstädten. Manche Menschen fühlen sich, wie bei einem Marathon, aufgrund von mangelnder Geschwindigkeit abgehängt. Aber auch dies ist nicht wirklich das Interessante an unseren Neuen Medien. Auch bei den alten Neuen Medien war es so, dass sich erst ein kleinerer Kreis mit der notwendigen und teuren Technik ausstatten konnte. Die Bedingungen sind heute natürlich etwas anders, aber das Problem der Abgehängten ist nicht neu.

Die Verbreitung von Texten, Bildern, Audio und Video über das Internet ist anhand der oben aufgeführten Kriterien auch etwas Neues. Aber ist das im Blick auf die Geschichte des Neuen wirklich das Erstaunliche? Was ist das Neue an unseren Neuen Medien von heute? Dazu möchte ich einen Deutungsversuch wagen.

Wenn das Medium etwas ist, das für die Kommunikation und Mitteilung zwischen Menschen steht, dann kann bereits die Sprache als Medium bezeichnet werden. Mit der Sprache konnte der Mensch dem anderen Menschen etwas mitteilen und ihn womöglich zu einer Handlung bewegen. Später entwickelten sich Schriftzeichen mit denen, wie oben bei den Kriterien gezeigt, die Reichweite erhöht werden konnte und Missverständnisse minimiert wurden. An diese Entwicklung schließen sich die Erfindung von Papier und Buch, Fotografie und Kino, sowie Radio und Fernsehen an.

Auch das Internet ist prinzipiell in die Linie gut einzureihen. Bei dieser Entwicklung lässt sich erkennen, dass von einem Urheber oder Autor eine Mitteilung an mehrere andere Menschen ergeht. Das Medium ist dabei ein hilfreiches Werkzeug und der Verbreitungsweg ein linearer Kommunikationsweg. Aus heutiger Sicht könnten die klassischen Medien, wie Zeitung, Radio und Fernsehen, als lineare Medien bezeichnet werden. Auch das Internet ist zunächst nur ein lineares Medium, bei dem eine Mitteilung viele andere Menschen superschnell erreichen kann. Auch die Möglichkeit des Kommentierens oder die Barrierefreiheit der Reichweite des Netzes ist nach meinem Gefühl nicht das Neue. Neu ist für mich das nonlineare Kommunizieren, was die ungeahnten Reaktionen, die Eigendynamiken beschreibt. Diese Mechanismen der Neuen Medien sind für mich das Unbekannte und die wesentliche Eigenschaft dieser Medien von heute.

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