Statt Schule: Überlastungstag und langes Wochenende

Ein Kommentar.

Am 3. Mai 2019 ist der deutsche Erdüberlastungstag. Ab diesem Zeitpunkt lebt die Menschheit über ihren ökologischen Verhältnissen, wenn alle so leben würden wie die Menschen in Deutschland. Der Tag ist passenderweise ein Freitag, der Tag an dem Schüler der „Fridays for Future“-Bewegung der Schule fernbleiben. Ihr Ausgangspunkt war der Schulstreiks der Klimaaktivistin Greta Thunberg vor dem schwedischen Parlament.

Bereits vor einiger Zeit war in Deutschland ein Streit über den Streik der Schüler ausgebrochen. Die Schule als Bildungseinrichtung stand politischem Engagement gegenüber. Der Streik bietet dabei vor allem die Chance, der Gehaltlosigkeit von Schule zu entkommen.

Der Chef des Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hatte damals die Absurdität der ganzen Angelegenheit bemängelt: Aus der Politik komme Lob, das die Demos als politische Bildung kennzeichne. „Die Schüler demonstrieren gegen die Klimapolitik der Bundesregierung und die Bundeskanzlerin klatscht Beifall“, sagte Meidinger in der Bild. Und das ist das Problem: Hier geht es nicht wirklich um Engagement, sondern um eine große Ratlosigkeit, die ein Fernbleiben der Schule nicht rechtfertigt, aber alternativlos macht. Die Verantwortlichen des Bildungssystems haben keine Ideen für eine Verbesserung. Da klatscht man lieber erst mal Beifall.

Nagut, nur zehn Prozent der demonstrierenden Schüler nutzt den „Fridays for Future“ als gute Gelegenheit, die Schule zu schwänzen, so zumindest nach einer Erhebung der Universität Konstanz. Vom Gefühl her ist es besser, für etwas einzutreten, anstatt dagegen zu sein.

Das Problem ist nicht das Klima. Das Problem ist ein vernachlässigtes Schulsystem. Ein verlängertes Wochenende ist viel sinnvoller als auch noch am Freitag seine Zeit abzusitzen. Die Politiker, die den Schülern Beifall für ihr Engagement spenden, sind wie stolze Eltern, die ein selbstgemaltes Bild überreicht bekommen, sich darüber freuen, aber keine Zeit finden, es genauer anzusehen. Die Freude ist echt, aber den Gehalt des Bildes verstehen sie nicht.

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