Gemeinsame Sache: Fundamentalismus und Journalismus ähneln sich

Wie komme ich zu diesem Beitrag? Was ist mein Problem?

Ich hatte mich in einem Beitrag im Volo-Blog des ifp mit der Frage auseinandergesetzt, was für eine Art von Journalist ich sein möchte. Ich befinde mich z.Z. in einer journalistischen Ausbildung und frage mich nach wie vor, was es mit dem Journalismus auf sich hat. In diesem Beitrag nun, stelle ich mich im Prinzip derselben Frage wie in dem Beitrag auf dem Volo-Blog. Allerdings suche ich nicht auf praktischer Ebene, sondern auf philosophischer Ebene nach Antworten.

Mir fiel erst nach dem Schreiben des Beitrags zu meiner Rolle im Journalismus auf, dass der Journalismus ebenfalls zu den sogenannten Ismen gehört, also in einer Reihe mit Begriffen wie Realismus, Kapitalismus und Idealismus zu nennen ist. Was hat es damit auf sich? Wie unterscheidet sich bspw. die Kritik am Fundamentalismus zu der Kritik am Journalismus bzw. was sind die Gemeinsamkeiten?

Was sind Ismen?

Der Ismus ist sprachtechnisch gesehen ein Suffix, der ein Wort mit dem Anhang „-ismus“ zu einer abstrakten Sache einer Lehre, Geisteshaltung oder Ideologie macht. Die griechische Endung -ismos bezieht sich „auf eine bestimmte Art [von] handeln“ und kennzeichnet darin eine Tendenz. „Bei vielen Begriffen mit der Nachsilbe –ismus handelt es sich um Begriffe für gesellschaftliche Verhältnisse, Meinungen, Lehren, Schulen und Ideen […].“ Besonders dabei ist, dass die zugrunde liegenden Theorien oder Hypothesen keine allgemeine Anerkennung in der Gesellschaft genießen müssen. Von den tendenziösen Ismen lassen sich die neutralen Ismen abgrenzen. Sie erkennt man daran, dass sich zu ihnen keine Anhänger finden lassen, wie es bspw. beim Mechanismus keine Mechanisten gibt. Für mich interessant sind hier die tendenziösen Ismen, wie eben der Journalismus mit den Journalisten als ihre Anhänger.[1]

Wir haben gesehen, dass die Ismen von bestimmten Dingen abhängen. Das ist zu allererst einmal die Sprache. Dann braucht es eine Idee, Theorie oder Hypothese, die nicht gesellschaftlich anerkannt sein muss. Drittens ist die Möglichkeit der Anhängerschaft entscheidend, da ich ja mich auf die tendenziösen Ismen beziehen möchte.

Was haben Ismen gemeinsam?

An dieser Stelle möchte ich beispielhaft einige Ismen genauer anschauen, um sie zu vergleichen und um sie neben den Journalismus zu stellen: Fundamentalismus, Empirismus und Egoismus.

Der Fundamentalismus hebt die Einzigartigkeit hervor. In ihm gibt es eine Wahrheit, die keinen Plural kennt. Andere Wahrheiten gibt es nicht. Der Empirismus bezieht sich auch auf Wahrheit. Diese Wahrheit lässt sich allerdings nicht durch ihre Einzigartigkeit auszeichnen, sondern durch ihre Wiederholbarkeit bzw. Reproduktion durch jemand anderes. Beim Egoismus zählen nur die Wahrheiten, die einem selbst etwas nützen bzw. einem selbst Vorteile bringen. Bei Fundamentalisten, Empiristen und Egoisten geht es also um unterschiedliche Zugänge zur Wahrheit und die Abgrenzung zu anderen Menschen. Das Bekenntnis eines Fundamentalisten könnte lauten: „Nur die Wahrheit meiner eigenen Gruppe ist gültig.“ Beim Empiristen klingt das Bekenntnis vielleicht so: „Der Diskurs und die wissenschaftlichen Beweise helfen mir, mich meiner Gruppe anzuschließen.“ Der Egoist könnte hingegen sagen: „Wenn die Wahrheit mir etwas nützt, dann bin ich in der Gruppe dabei.“ Dieser Satz klingt womöglich auch mehr nach Opportunismus.

Was haben diese drei Ismen nun gemeinsam? Die ersten Gedanken könnten einen auf die Wahrheit und auf die menschlichen Beziehungen bringen. Aber dies wird ja schwierig, da diese Drei unterschiedliche Zugänge zur Wahrheit haben. Der Ismus macht Sprache zur Handlung. Allerdings anders als es Liturgie macht. Liturgie ist Sprache und Handlung im Horizont einer Gleichberechtigung von Mythos und Logos. Der Ismus macht Sprache zur Handlung, wenn der Logos vorrangig vor dem Mythos ist, also insbesondere in der Zeit nach der Aufklärung.

Was hat Journalismus mit anderen Ismen gemeinsam?

Der Journalismus muss sich mit Phänomenen wie den „Fake News“ und „Bad News are Good News“ auseinandersetzen. Für den Journalisten sind seine Produkte die Wahrheiten, die für eine größere Gruppe relevant sind. Als Hilfsmittel stehen ihm zum einen der Nachrichtenwert und zum anderen die Belegpflicht zur Schaffung von Glaubwürdigkeit zur Seite. Das Problem bei diesen Mitteln ist die meist negative Berichterstattung und Abhängigkeit von (zahlenden) Konsumenten. Für mich als Journalist ist wichtig, dass ich mich immer wieder daran erinnere, dass ich auch ein Anhänger eines Ismus bin, so, wie die Anhänger der anderen Ismen auch. Meine Sprache als Journalist ist Handlung und nicht bloße Wahrheit, die ich für mich vereinnahmen darf.

Ismen bedeuten insgesamt die Sprache als Handlung in Gesellschaft. Dabei geht es nicht um das Wohl oder die konkrete Rolle der Gesellschaft. Die Ismen sind lediglich abhängig von dem Begriff der Gesellschaft, unabhängig davon, ob sie sie ablehnen, definieren oder anerkennen. Für mich als Journalist ist wichtig, dass ich die Anhänger der tendenziösen Ismen ernst nehme und auch mir selbst immer wieder bewusst mache, dass ich Anhänger eines tendenziösen Ismus bin. Die Frage sollte immer auch lauten, wie ich aus der sprachlichen Handlung eines Anhängers etwas für die Gesellschaft machen kann und dabei mein Vorgehen als Anhänger des Journalismus erkläre.


[1]Die Informationen und Zitate in diesem Absatz habe ich von der Seite „-ismus“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 1. Februar 2019, 10:52 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=-ismus&oldid=185280215 (Abgerufen: 13. März 2019, 18:56 UTC)

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