Kultur der Kommunikation

Das Internet und die Smartphones haben eine Vielzahl von neuen Wegen der Kommunikation eröffnet. Wir können orts- und zeitunabhängig miteinander schreiben, sprechen und uns gegenseitig zuschauen. Videos und Fotos werden ausgetauscht, geteilt, verbreitet. Texte oder Textfragmente werden mit Emoticons oder animierten Bildchen angereichert. Der Kommunikation sind keine Grenzen gesetzt, es scheint nahezu eine absolute Freiheit der Kommunikation zu geben.

Mir persönlich fällt der Glaube daran allerdings sehr schwer. Insbesondere die Formen der Kommunikation über die Sozialen Medien sind mir suspekt. Das klingt nach verschlossener, alter Mann. Solch einen Vorwurf kann ich total nachvollziehen. Ich möchte dennoch versuchen, darüber nachzudenken, was es damit auf sich hat. Mir fällt zunächst der Zusatz „Sozial“ in den Sozialen Medien auf. Ebenso erweckt für mich das „Neu“ in den Neuen Medien den Verdacht, dass eine Betonung dieser Form der Medien notwendig ist, um ihre Wesenseigenschaft verstehen zu können. Es macht für mich den Eindruck, dass die Voranstellung von „Sozial“ und „Neu“ vor den Medien notwendig ist, da diese Medien eben nicht aus sich selbst heraus diese wesentlichen Eigenschaften transportieren können. Sie sind sozial und neu durch das Attribut und nicht durch sich selbst. Das entspricht meinem Gefühl bei der Beobachtung dieser Medien, ob neu oder sozial, was ich hier erläutern will.

Die Kultur kann als ein spezifisches Kennzeichen des Menschen in der Natur gesehen werden. Die Kultur macht ihn unterscheidbar zu anderen Lebewesen. Der Mensch ist nicht bloß Teil der Natur. Er steht in einer ständigen Auseinandersetzung mit der Natur und einem Austausch seiner Mitmenschen. Die Kultur ist als kommunikativer Träger zur Mitteilung in der menschlichen Gemeinschaft, die heute auch als Öffentlichkeit bezeichnet werden kann, mehr als der Austausch von Informationen. Die Information ist ein zeitlich bedingtes Kennzeichen zur Abwägung der Handlungsoptionen. Sie kann heute auch mit „Content“ übersetzt werden. Kultur als Kommunikationsmittel umfasst aber auch eine informationsunabhängige Interpretationsmöglichkeit, die als Freiheit begriffen werden kann. Die Unabhängigkeit oder Freiheit kann mit „Performance“ übersetzt werden. Diese Freiheit, um mich frei zu äußern und zu bewegen (Performance eben) verspüre ich bei den sozialen Medien allerdings nicht. Ich kann in diesen Kommunikationsmitteln keine Beständigkeit oder Verbindlichkeit erkennen, die mir sinnlich erscheint. Woran liegt das? Bin ich nicht tolerant gegenüber diesem Neuen?

Da ich mich an der Performance beteiligen möchte bzw. muss, weil der Mensch nicht nur Natur- Mensch sondern auch Kultur-Mensch ist, um eben Mensch sein zu können, bleibt mir nur die Ironie. Toleranz als wortwörtliche Form des eigenen Ertragens oder Aushaltens lässt sich für mich nur durch Ironisierung erreichen. Ich kritisiere an der Formel „Performance is the new Content“, die für die neuen bzw. sozialen Medien gilt, dass der Zusammenhang von Akzidens und Substanz in der Kultur der Kommunikation aufgebrochen wird. Die Attribution mit sozial und neu zeigt mir das deutlich an und ich spüre, wie diese Kommunikationsmittel eben alles andere als sozial sind.

Ich denke, für mich ist die Wahl der Ironie zum Ertragen (lat.: tolerare) dieses Zustandes die günstigere Wahl. Allerdings ist es für mich weniger verwunderlich, dass Menschen sich alternativ (!) auch für grundlegendere (lat.: fundamentalis) Formen entscheiden, um diesen Zustand bewältigen zu können. Die Kultur der Kommunikation steht vor der Herausforderung, wie sie sich von der Notwendigkeit der Attribution befreien und von einer exklusiven zu einer inklusiven Kultur der Kommunikation werden kann.

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