Eine Demo in der Bürokratie

Bei einem Text zur Demokratie könnte man beispielsweise die geschichtlichen Gründe oder Vorteile dieser Staatsform erläutern. Anderenfalls wäre denkbar, die Demokratie in ihrem Aufbau und ihrer Funktionsweise zu erklären. Mich beschäftigt allerdings eine andere Frage, die ich hier ausbreiten möchte. Angenommen, die Gründe, Vorteile, der Aufbau und die Funktionsweise der Demokratie wären zuvor positiv dargelegt worden: Warum erscheint dann gerade die Demokratie selbst als Gegenstand der Diskussion zu sein, wenn doch eigentlich die Diskussion erst durch die Demokratie möglich gemacht wird?

Das rudimentäre Demokratieverständnis besagt, dass von einer großen Zahl von Menschen ein paar wenige ausgewählt werden, die dann in Vertretung für alle über die Rahmenbedingungen und Regeln des Zusammenlebens verhandeln. Da das Verfahren zur Bestimmung dieser exklusiven Personengruppe und ihre Arbeitsweise in bestimmten Fällen geändert oder verbessert werden muss, gibt es auch hierfür geregelte Möglichkeiten. Das Vertreterprinzip findet zusätzlich auf verschiedenen Ebenen statt, die vom Allgemeinen bis hin zum Speziellen reicht. Damit die Entscheidungen der Gruppen auf diesen verschiedenen Ebenen und in ihrer zeitlichen Abfolge auch miteinander auskommen können, gibt es zudem die Bürokratie. Sie verbindet die theoretische Entscheidung der Mehrheit mit dem praktischen Zusammenleben aller Menschen.

Was vermutlich einige Menschen dazu bewegt, durch Äußerungen oder Mitteilungen den Eindruck zu erwecken, dass die Demokratie der Diskussionsgegenstand zu werden scheint, ist möglicherweise gar nicht die Abneigung gegenüber ihr. Sie selbst bedienen sich ja der Möglichkeit der Mitteilung, die ihnen in der Demokratie offen steht. Ihre Beweggründe sind vermutlich vielmehr auf ein Gefühl zurückzuführen, dass sich gegenüber ihren Vertreterinnen und Vertretern einstellt. Demokratie ist die Entscheidung der Mehrheit. Und dies sowohl bei der Bestimmung der Vertretung als auch bei der Bestimmung durch die Vertretung.

Für mich sind die Gründe der oben gestellten Frage auf ein verkürztes Demokratieverständnis zurückzuführen. Demokratie ist die Entscheidung der Mehrheit und die Sorge um die Minderheit. Mehrheiten und Minderheiten müssen dabei keine statistischen sondern können auch gefühlte Größen sein. Das bedeutet, dass Vertreterinnen und Vertreter die Mehrheit dazu nutzen, Entscheidungen treffen zu können, aber in ihren Entscheidungen auch die Verantwortung für die Sorge um die Minderheiten tragen.

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